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//Wenn Vorbilder scheitern

Wenn Vorbilder scheitern

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung macht es vor und Schulmedizin, Krankenkasse und Lehranstalten ziehen mit. So funktioniert der Mensch, das braucht er und wir sind alle gleich. Das ist der Grundtenor in Empfehlungen und einer Meinung, die von einer DGE vorgesungen und allen abhängigen Institutionen nachgekräht wird. Eine schöne Stimme hat dabei keiner.

Abhängig?

Ja klar. Die DGE ist das Maß aller Dinge. Zulassungen und Zertifizierungen werden davon abhängig gemacht, ob man den Takt der DGE zuverlässig mitklatschen kann. Die Apotheken gehören mit zum Schlagzeug.

Die Rentner-Bravo: Papier-Community für pathophile Kuchenrezeptsammler.

Apotheken-Umschau, Apotheken-Illustrierte, Apotheken-Whatever. Das sind die Blätter, die in den Apotheken ausliegen und auf die sich allmonatlich die Stammkundschaft stürzt. Und sich dann fühlt wie Serienmörder auf “Rock am Ring”. Auf jeder Seite ist man im Thema oder kennt jemanden der. Und spätestens bei der nächsten 07:00-Spritze beim Hausarzt kann man sich dann austauschen. Über den eigenen Blutzucker, das offene Bein und die Philadelphia-Torte. Wie in der Apotheken-Umschau. Seite 4, Seite 7 und Seite 21.

Der Irrsinn dabei?

Mein Hausarzt ist wirklich ein guter Mann. Ist regelmäßig auf Weiterbildungen und hat was DGE betrifft eine klare Meinung. Auch was seine Kollegen angeht. Er interessiert sich für Ernährung und weiß zum Beispiel auch, dass die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr laut DGE (Kohlenhydrate 50%, Fett 30%, Eiweiß 20%) nicht wirklich sinnvoll sind. Das sagt er mir hinter vorgehaltener Hand. Offen darf er das nicht kommunizieren. Es könnte ihn die Zulassung kosten. Und dass es ihn regelmäßig in den Konflikt treibt, wenn er schwer übergewichtigen Leuten die DGE-Broschüren zur Gewichtsreduktion in die Hände gibt und weiß, dass Abnehmen so nicht funktioniert. So, wie die DGE es als sinnvoll erachtet.

  • Einfach weniger essen.
  • Genug Kohlenhydrate.
  • Wir sehen uns in 6 Monaten wieder.

Funktioniert so nicht!

Ernährung und alles was damit zu tun hat ist schwieriger als Raketentechnik. Und weil das so ist, gibt es für den unmündigen Bürger entsprechende Institutionen, die einem das Denken abnehmen. Die DGE ist eine davon. Ärzte, Krankenkassen und (öffentliche) Schulen sind deren Prediger. Leider wird nicht nur Mittelalter, sondern auch schlichtweg Falsches transportiert. Wenn sich Juristen und Finanzjongleure mit Raketentechnik beschäftigen, kann man daraus nicht automatisch moderne Ernährungsempfehlungen erwarten.

Die haben ja alle keine Ahnung!

Ist so auch wiederum nicht richtig.

Mein Hausarzt ist mir mein Fels in der Brandung. Und es gibt noch mehr wie ihn. Leute die wissen, was richtig ist. Jedoch bestätigt er mir, dass es mehr Leute in der Ärzteschaft gibt, die wirklich keine Ahnung von Ernährung haben. Und die es auch nicht interessiert.

Ganz schlimm – und das war eigentlich der Grund für diese Einlassung – wenn Leute an wichtigen Stellen sitzen und nicht nur ahnungslos sind, sondern groben Unfug von sich geben. So geschehen in der Apotheken-Illustrierten vom 15.2.2015.

Vorwort von Jutta Petersen-Lehmann, Chefredakteurin.Wer also als Diabetiker einmal außer seinem Arzt einen kompetenten Gesprächspartner zu dieser Krankheit braucht: die nächste Apotheke ist nicht weit.

Verwirrend zu Beginn dieses Thema ist sicherlich: In Wahrheit geht es bei den meisten Diabetikern vor allem um das Fett in der Nahrung. Denn das ist tatsächlich in den meisten Fällen die Ursache für die Stoffwechselentgleisung. Nur ein Bruchteil der Diabetiker haben die Krankheit als Typ 1 mit sofortigem komplettem Ausfall der Insulinproduktion.

Zuviel Fett aus der Nahrung führt nicht nur zu einem korpulenten Körper, sondern auch im Inneren zur Überlastung der Fettzellen, die dann platzen, den Körper mit Fett überschwemmen, das dann auf Umwegen entsorgt werden muss und zu vielfachen Entzündungen im Körper führt. In der Folge nehmen die Muskelzellen keinen Zucker mehr an.

Unglaublich, oder?

Das muss man wirklich ein paar mal lesen um das ganze Ausmaß dieser Zeilen zu begreifen.

Da schreibt die Chefredakteurin der Rentner-BRAVO einen solchen Schwachsinn, dass es einem Angst und Bange wird.

Warum Angst und Bange?

Weil das beim nächsten Mal in der Artzpraxis besprochen wird. Und weitergetragen wird. Weil alles, was in der Rentner-BRAVO steht, wahr ist. Weil alles, was der Arzt sagt Gesetz ist. Und weil die DGE ja weiß was sie sagt, was sie tut und was sie empfiehlt.

Nein, tut sie nicht.

Der ganze Apparat steht auf wackligen Beinen. Und es ist mehr als sinnvoll, alles zu hinterfragen, was entsprechende Institutionen von sich geben. Ob das jetzt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist oder das Deutsche Institut für Risikobewertung. Ärzte, Krankenkassen, (öffentliche) Schulträger.

An dieser Stelle wollen jetzt dringend auch halbprivate Lobby-Vereine und Stiftungen wie Warentest oder Ökotest genannt werden. Da werden gesetzliche Richtwerte gern auch mal mit ganz eigenen – auch ohne jede Evidenz – ersetzt. Und auch hier wird der Verbraucher ermahnt und gemaßregelt, wie er atmen soll. Mehr Doktrin gibt uns nur noch die Kirche. Darauf ein Schluck Weihwasser. Amen.

Erkenntnis?

Wenn irgendwo Apotheken-Umschau drauf steht, oder ein Arzt etwas sagt, oder etwas in einer Krankenkassen-Broschüre steht heißt das nicht automatisch, dass es richtig ist.

Die kochen alle mit Wasser. Es gibt Schlaue und es gibt weniger Schlaue. Im besten Fall kann man den Dummen aus dem Wege gehen. Wir brauchen ein wenig Glück, um den richtigen zu begegnen. Und die dürfen uns was erzählen.

Das Internet hilft uns dabei. Und die Menschen die sich darin bewegen.

Mein Hausarzt macht mir noch Hoffnung. Gott sei Dank.

Mittlerweile hört er mir auch zu, wenn ich ihm etwas über Vitamin D erzähle. Und warum die Empfehlung der DGE eines Spiegels von 20 ng/ml Vitamin D3(OH) außerordentlich bedenklich sind. Und die Tagesempfehlung von 800iE auch Quark sind. Ich habe ihm das ein oder zu lesen geschickt. Und wir reden viel. Das nennt sich Austausch. Gesundheit für Gesundheit.

Auf eine kritische Zukunft.

Euer Jürgen

Von |2018-12-30T22:03:42+00:00Juli 29th, 2017|Food|
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