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//Schade eigentlich

Schade eigentlich

Gerade eben muss ich an jemanden denken, der mir letztens noch zum Vorwurf gemacht hat, dass ich es mir ja viel zu einfach mache. Und dass ich ja nicht nur von mir ausgehen dürfte. Und dass ich ja erstmal in anderer Leute Schuhe laufen sollte, bevor ich ihren Weg als falsch darstelle.

Worum es geht? Um Ernährung natürlich. Um Gewichtsreduktion, um genau zu sein. Mein Thema halt.

In diesem Fall war ich schon ein wenig irritiert, da mich hier jemand ansprach, den ich als lammfromm und lieb kennen und schätzen lernte. Das Übergewicht war nie ein Thema. Dass derjenige in den letzten zwei Jahren zugenommen hat fiel mir erst auf, als er sich darüber ereiferte. Die Ansprache war, gelinde gesagt, ziemlich aggressiv. So ziemlich jeder Schuh der passen wollte war angezogen. Da ist es wieder: Das Thema Schuhe.

Seit dieser Gelegenheit schaue ich gern mal aktiv auf das Profil desjenigen und schaue, was er so macht und wie es ihm geht. Mal abends raus mit Freunden. Mal ein schönes Projekt abgeschlossen. Mal eine schöne Veranstaltung. Immer was Abschlüssiges. Und immer was mit gutem Essen. Reichlich davon. Und ein leckeres Bierchen darf natürlich auch nicht fehlen. Genuss pur. Da hat man noch was vom Leben. Vor allem Stabilität im Gewicht. Bzw. Kontinuität in der Zunahme. Mal schauen, wo wir nächstes Jahr sind.

Erinnert mich auch an eine liebe Kollegin die mir ziemlich regelmäßig ihr Leid klagt. Dass ihre Bemühungen zur Gewichtsreduktion nicht fruchten und sie sogar noch mehr als vorher auf der Waage hat. Und jetzt geht es nicht mehr so weiter. Dabei schaut sie mich mit feuchten Augen an und wenn ihre Stimme zu brechen beginnt, tut sie mir wieder Leid. Und ich beginne wieder zu reden.

Es ist eigentlich immer das Selbe: Kontrolle. Essensprotokoll. Elimination des einen oder anderen Lebensmittels. Reduktion der Mengen. Vitalstoffe. Spätestens beim Thema Brot werden die Augen dann wieder trockener. Nudeln benehmen sich dann schon fast wie ein Haarfön. In eine gebrochene Stimme kehrt die Dominanz zurück. Und dass das ja alles darin mündet, nichts mehr essen zu dürfen. Keine Alternativen zu haben. Und wie soll eine Sauce ohne Sahne schmecken? Und Supplemente sind ja auch nur Chemie.

Aber das mit dem Essensprotokoll, das macht sie jetzt.

Nein, macht sie nicht. Sie geht aus dem Raum und kommt in etwa drei Monaten wieder. 5kg schwerer. Mit feuchten Augen. Und das Gewicht kommt nicht von den Tränen.

Was mich dabei traurig macht?

Weil es immer das Gleiche ist. Menschen sind in einer Situation aus der sie raus wollen. Sie sind aber nicht dazu bereit, sich ernsthaft mit sich und der Situation auseinanderzusetzen. Sie nehmen keine Kritik an. Fehler werden bei anderen gesucht. Hinweise werden als Affront gewertet. Mal mehr, mal weniger aggressiv.

Traurig macht mich der Umstand, dass jeder sein Gewicht reduzieren kann. Jeder, der durch ein Übermaß an Nahrungsaufnahme dick geworden ist, kann abnehmen. Jeder. Er (oder sie) muss einfach nur zuhören. Und einfach tun, was man ihm (oder ihr) sagt. Und dann ist Gewichtsreduktion möglich. Gesund und nachhaltig.

So viele, die nur halb oder gar nicht hinhören. Man redet und redet und es ist meistens zwecklos. Dabei könnte man wirklich (fast) allen helfen.

Leider hören die meisten nicht zu.

Schade eigentlich.

Von |2018-12-28T13:15:49+00:00August 11th, 2017|Food|
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