Es gibt Indoor Cycling Presenter, die setzen sich auf ein Bike, legen eine Bravo- oder Hardrock-CD ein und fahren los. Die einen schreien und brüllen – mit oder auch ohne Mikrophon, andere fuchteln mit den Händen herum. Mal mehr, mal weniger. Manche machen beides, manche nichts davon. Laute Musik, schnelle Abfahrten und schwere Berge. Sehr laut, sehr schnell und sehr schwer. Richtig Geschwindigkeit vs. Zeitlupentempo. Immer unter startenden Flugzeugen. Knüppeln bis der Defi ruft. So schnell und so schwer es geht. Mit vollem Körpereinsatz. Mit der Bewegungseleganz und der Körperspannung verkochter Spaghetti. Keine Zeit für Technik. Maximaler Zug und Druck durch den Trainer. Je zugiger, desto besser. Wenn einem schwarz vor Augen wird, war der Druck perfekt.

Nach einer knappen Stunde ist der Spuk vorbei. Übrig bleiben vollkommen zerstörte Teilnehmer, die erschlagen und verschwitzt, maßlos überbeansprucht und vollkommen ausgepumpt, den Kursraum verlassen. Überlebt. Bis zur nächsten Stunde. Wenn Beine im Allgemeinen und Knie im Besonderen wieder mitmachen. Wenn sie mitmachen. Und die Hochschwangere vorn rechts nicht zwischenzeitlich entbunden hat (Dass die den Goa-Track noch stehend gefahren ist). Und die beiden Anfänger hinten links überlebt haben (Die haben es wirklich durchgezogen. Und das obwohl die Räder nicht richtig eingestellt waren. Gut, dafür war keine Zeit, aber die beiden sind ja noch neu. Und die waren sowieso nicht synchron. Wahrscheinlich hat der eine ja auch was am Knie. Der mit der Bandage. Anfänger müssen sich halt mehr anstrengen).

Die Überlebenden kommen wieder. Indoor Cycling ist halt hart und anspruchsvoll und wer da mitkommen will, muss schon einiges zu geben bereit sein.

Nein, muss man nicht.

Es gibt auch noch Indoor Cycling Instruktoren, die schon ganz am Anfang Ihrer Karriere spüren, dass es mehr gibt als nur heilloses Geknüppel. Die machen Ausbildungen um eine Basis zu haben. Suchen Hintergründe. Finden Wissen. Stellen Fragen und verarbeiten Antworten. Stellen mehr Fragen. Suchen Variationen. Experimentieren. Mit sich und dem Rad. Mit der Musik. Lernen. Studieren. Suchen die Verbindung zwischen Körper, Bewegung und Emotion. Lernen die Sprache der Musik. Stellen Verbindungen her. Noch mehr Ausbildungen. Zertifizierungen. Prüfungen. Nachweise der Mündigkeit, seinen Körper und Bewegung zu verstehen. Verstehen das Ziel Gesundheit. Und es wächst die Erkenntnis, dass jedes erreichte Ziel nur lediglich ein kurzer Haltepunkt ist um festzustellen, dass man gerade erst begonnen hat. Und dass jede gefahrene Stunde wieder neue Erkenntnisse bereit halten mag.

Mein Weg

Ich bin ICG Elite Cycling Instructor. Diese Ausbildungsstufe hieß früher ganz simpel A-Lizenz. Danach ist man, was die offizielle Ausbildung angeht, fertig. Mehr kann man sich nicht zertifizieren lassen. Zumindest bei meinem Verein.

Manche Ausbildungsinstitutionen begnügen sich schon mit einem Wochenende. Mit festgelegtem Dreimonats-Profil und unveränderlicher Musik. Auch ein Konzept. Der Augsburger Puppen-DJ aus der Presenter Kiste. Mit oder auch ohne Radschuhe.

Mir war das zu wenig. Mit einer Gruppenfitness B-Lizenz in der Hinterhand wollte ich es genau wissen. Basic- und Pro-Lizenz standen von vornherein fest. Danach kamen fast alle Premium-Module und nach der Premium-Zertifizierung die Krönung: Elite. Am Anfang noch vollkommen illusorisch, zum Ende die einzig logische Konsequenz.

Und es ist auch dieser Weg, in dieser Gestaltung, im Vergleich mit anderen Ausbildungsanbietern, exakt das, was es zum Ende auch wertvoll macht: Sich den Titel des Indoor Cycling Instructors verdient zu haben. Mit Leidenschaft, Herzblut und Fleiß. Der Lohn, sich über Jahre den Arsch aufgerissen zu haben. Um genau zu wissen, wie sich Seele und Herz verbinden. Und das vorn und auf der Bühne zu leben. Jeder, der auf halber Strecke von sich denkt nichts mehr lernen zu können und fertig zu sein, hat sich den Titel noch nicht verdient.

Ich würde diesen Weg jederzeit wieder gehen. Trotz des Aufwandes. Trotz der Ängste. Trotz der Quälerei. Trotz der Unsicherheiten. Trotz der Emotionen die einen immer wieder zu der eigentlich einzig möglichen Konsequenz treiben, nämlich einfach hinzuschmeißen.

Heute bin ich froh. Und stolz, es durchgezogen zu haben. Obwohl ich mich noch immer am Anfang wähne.

Fragen über Fragen

Wofür das alles? Warum tue ich mir das an? Habe ich das nötig? Wer bezahlt mir das? Wen interessiert das? Wer fragt danach? Brauche ich das überhaupt?

So viele Fragen, deren Antworten nur die Entschuldigung dafür sein sollen, sich den körperlichen und mentalen Aufwand ersparen zu wollen. Die Antwort darauf, warum man nicht auch ohne Titel irgendwie vorne stehen – bzw. fahren – kann. Irgendwie.

Für ein Meer aus Energie

Erste leise Beats kündigen den Rhythmus an. Sie werden zu einem Muster. Beine, die gerade noch antriebslos in unmotivierter Bewegung waren, beginnen sich mit den Beats zu verbinden. Füße bekommen Kontakt mit den Pedalen. Sie erzeugen Druck und Zug. Druck und Zug. Eine Hand geht zum Widerstand. Langsam drehen Finger das Widerstandsrad in Uhrzeigerrichtung. Millimeterweise. Bis der Widerstand spürbar wird. Aus unmotivierter Bewegung wird ein runder Tritt. Blut und Energie fließt durch Beine und Herz, im Beat der Musik, wird eins mit Atem und Bewegung. Alles wird eins, Körper und Rad. 4, 3, 2, Oberkörper ganz fest.

Schulter zurück und tief. Herz hoch. Nur die Beine. Der Oberkörper ist wie eingefroren. Atmen, tief ein und aus. Arme parallel. Beine parallel. Knie in Fahrtrichtung. Ganz groß machen. Körperspannung. Aus der Mitte heraus. Energie spüren, wie sie sich aus dem Zentrum ausbreitet. Ein erster Film von Schweiß. Noch größer machen. Ohren weg vom Hals. Die Körpertemperatur ist frei gegeben. 4, 3, 2, locker.

Der Bass treibt. Eine Welle ungeahnten Ausmaßes ist zu spüren. Irgendetwas nähert sich. Es wächst. Etwas Großes. Etwas Riesiges. Etwas beginnt, Rad und Selbst anzuheben. Körperspannung halten. Ein leisen Kribbeln im Nacken zeugt davon, dass der Wellenberg erst begonnen hat. Es geht höher hinaus. Bass und Beat treiben. Höher. Lauter. Mehr Bass. Man kann den Gipfel sehen. 4, 3, 2, Komm nach oben.

Mach Dich ganz groß und komm nach vorn. Gesäß über der Sattelspitze. Bass und Tritt. Bass und Tritt. Zug und Druck. Zug und Druck. Mit geschlossenen Augen fühlt sich der Rhythmus an wie ein Herzschlag. Es ist ein Herzschlag. Mein Herzschlag. Der Herzschlag der Teilnehmer.

Alles eins in einem Meer aus Energie.

Gute Trainer, schlechte Trainer

Ich kann schlechte Instruktoren nicht leiden. Es sind auch nur noch sehr wenige Kurse, in welchen ich als Teilnehmer mitfahre. Es geht nur noch bei gut ausgebildeten Trainern – am besten Indianer – oder bei Leuten, die mit Musik und Emotionen umgehen können. Im besten Fall beides. Im schlimmsten Fall, und leider ist das der Normalfall, bin ich froh, wenn der Kurs zu Ende ist. Ganz besonders blöd, wenn ich bei jemandem mitfahre, den ich mag. Ich versuche so etwas aber zu verhindern.

Schlechte Trainer, die Murks liefern, sind einfach die Pest. Davon absolut ausgenommen sind neue, unerfahrene Trainer. Die machen zwar auch Murks, sind aber schlicht und ergreifend noch unerfahren. Die Große Eins verpasst oder gar nicht erst gefunden. Probleme mit dem Cueing. Ein unerwarteter Break. Bewegung passt nicht zur Musik. Frozen wo es Jumps oder Waves verlangt. Undurchdachte oder blutleere Profile. Bis das alles passt, braucht es Übung. Und natürlich Zeit. Zeit zu reifen, die auch jeder verdient.

Ein schlechter Trainer hatte Zeit und macht den Murks trotzdem. Und ändert nichts daran. Weil er denkt, dass er es nicht braucht. Dass er es nicht nötig hat. Weil er das was er macht beherrscht. Oder weil es ihm reicht. Oder weil er sich einfach für gut und qualifiziert hält. Diejenigen sind die größte Pest.

Da werden Trittfrequenzen jenseits von Gut und Böse gefahren. Im Sitzen, mit einem Auf und Ab, dass man sich aus dem Raum hinaus vibriert. Im Stehen, dass man Kniescheiben, Bänder und Sehnen um Gnade winseln spürt. Berge so schwer und langsam, dass man einen Bleigürtel braucht, um noch die Pedalen bewegen zu können. Fixierung des Oberkörpers in so aufrechter oder vorgeschobener Position – und das für eine Dauer, dass sich der Winter in Westeros wie ein Augenblick anfühlt – dass ein Knieschuss durchaus eine Option wäre.

Und dann gibt es auch die ganz alten, schlechten Trainer, die noch vor Mauerfall ihre Ausbildung gemacht haben und sich noch nicht mal mehr an den Namen des Ausbildungsbetriebes erinnern können. Alternativ keine Ausbildung haben und einfach irgendwann von inkompetenten Teilnehmern zu inkompetenten Trainern mutiert sind. Ohne jemals daran etwas zu ändern. Fahren seit Jahrzehnten ohne jemals etwas über Technik, Trainingsmethodik oder Musiktheorie gehört oder sogar gelernt zu haben.

Abenteuerliche Kommandos. Ganz eigenes Cueing. Wenn überhaupt. Entweder weil man es nie gelernt hat, oder weil im Laufe der Zeit eigene Konzepte die internationalen Standards verwässert haben. Oder man hat schon immer ein eigenes System gehabt. Das, was man bei irgendeinem anderen Presenter gesehen oder aufgeschnappt hat. Der auch keinerlei Gruppenfitness-Gene hat. Bisschen Schwinn, bisschen Spinning, bisschen alles. Und irgendwann kann man das Cueing ja komplett weglassen. Die Teilnehmer können ja sehen, was der Presenter macht. Ohne Handzeichen, ohne Mikrophon, wozu denn überhaupt noch was sagen? Oder schreien? Versteht sowieso keiner mehr. Warum auch? War ja noch nie anders.

Und dann gibt es auch die ganz neuen, schlechten Trainer. Mit aktueller Indianer-Ausbildung. Basic, Pro. Vielleicht auch noch einen Tick weiter. Ein paar Premium-Module. Nichts mit Prüfung. Da würde rauskommen, dass man es nicht drauf hat. Nicht richtig cuen kann. Nicht auf links fährt. 3 Minuten Warmup aus den Charts mit 128bpm. Ein Cooldown in 2 Minuten. All das, was für einen „Indoor Cycling Instructor“ zur Basis gehört. Gehören muss. Zwingend. Ja, zwingend.

Ausbildung ist möglich

Wenn jemand „nur“ eine Basic-Ausbildung hat und das Herz, mehr zu wollen, und seine Teilnehmer mitreißt und gesund nach Hause bringt, dann ist er (oder sie) auf einem guten Weg. Einem richtigen Weg. Nach der Pro-Lizenz klappt es auch mit dem Cueing, dem Fahren auf links und dem Timing, rechtzeitig in und aus dem Sattel zu kommen. Schön, wenn es vorher schon funktioniert, ist aber nicht der Normalfall. Und ist auch nicht schlimm.

Nach der Premium weiß man, wie vernünftige Profile gemacht werden. Auch die Technik hat dann schon professionellere Züge. Und wer danach noch an Bord ist, der beginnt, den Titel Indoor Cycling Instructor mit Recht zu tragen.

Und an dieser Stelle auch dringend erwähnt: Ich kenne jemanden ohne jede offizielle Ausbildung, der so aufmerksam auf Events und in Kursen war und ist, und nach privater Einweisung eines guten Indianer-Trainers mittlerweile Kurse gibt, die um so vieles besser sind als so mancher Premium Level Coach, der sein Zertifikat lediglich als Anwesenheitsbekundung erhalten hat.

Anerkennung ist ein selten Gut

Leider ist es vielen Studios vollkommen egal, welche Ausbildung man hat. Die allermeisten fragen gar nicht danach. Außer die großen Ketten. Vielleicht. Aber selbst dann. Was nämlich im Kursraum geschieht, steht wieder auf einem anderen Blatt. Der Schein zur Zertifizierung allein ist noch lange kein Nachweis, dass der Trainer die Regeln auch einhält. Geschweige denn verstanden hat. Wer soll es denn auch prüfen? Die koordinierende Stelle im Studio, die keine Ahnung hat von Indoor Cycling? Oder der Clubmanager, der noch nie auf einem Indoor Bike gesessen hat?

Und dann wird halt wieder geknüppelt. Hart. Schnell, schwer, laut. Hauptsache die Kurszahlen stimmen.

Non-Indians, Exoten und freie Improvisation

Das eindrucksvollste Erlebnis in Sachen Indoor Cycling war auf einem Event von einem Nicht-Indianer. Der fuhr und stand auf der Bühne mit epischer Musik und erzählte eine Geschichte. Eine Präsentation getragen von Gestik, Stimme und Musik. Ein emotionales Ganzes welches über das Publikum herfiel wie Attilas Hunnen auf Exctasy. Ich war vollkommen geflashed.

Eines der schlechtesten Erlebnisse produzierte ein professioneller Indianer, der an den denkbar unpassendsten Stellen zu akustischen Beifallsunterstützungen aufrief, die selbst in den 1970er Jahren auf einem Tony Marshall-Konzert noch peinlich gewesen wären. Oder jemand, der bei einer Trittgeschwindigkeit von knapp 116bpm noch Jumps fuhr. Gut, man konnte gern sitzen bleiben, wenn es nicht mehr ging. Und das von jemandem, der mal Ausbilder war. Dummer Weise haben solche Leute Fans und die machen exakt das, was das Vorbild macht. Auch in ihren Kursen. Bis die Knie auseinander fliegen. Damit wären wir wieder am Anfang des Artikels.

Und was geht mich das an?

Gesundheit ist wichtig. Wenn Presenter die Leute umbringen, dann geht es mich durchaus etwas an. Leute die in meinen Kursen unterwegs sind und von Gelenkschmerzen berichten. Wo man dann nach Nachfragen ermittelt, dass die Schmerzen immer schlimmer sind, nachdem sie in der oder der Stunde waren. Wenn sie, obwohl sie schon seit Jahren bei dem immer gleichen Presenter fahren, zum ersten Mal eine Einweisung in die Einstellung ihres Rades erhalten. Und auf einmal weder Knie, noch Hüfte weh tun.

Qualität ist wichtig. Wenn manche Leute zwar regelmäßig in Stunden sind, sich der Trainingszustand aber nicht ändert. Es sogar zu Verschlechterungen kommt. Ein Winter im Kurs und im Frühjahr ist die Kondition weg. Weil der Trainer keinerlei Ahnung von Trainingsmethodik hat. Weil eine Bravo-CD nicht einem Intervall-Profil entspricht. Weil es einer Bravo-CD egal ist, welche Trittfrequenzen an welcher Stelle sind.

Und dann rennt so ein hergelaufener, inkompetenter Möchtegern-Trainer mit einem Indianer-Shirt durch die Landschaft und stellt sich mit denjenigen auf eine Stufe, die eine langjährige Ausbildung haben und das System leben. Frag doch nochmal, was mich das angeht. Das geht jeden Indianer etwas an.

Einer macht halt wieder den Mund auf: Der Nestbeschmutzer (siehe dort).

Ein Volk, viele Religionen

Lange Zeit war ich der Überzeugung, dass das Indianervolk die einzige heilbringende Institution im Indoor Cycling-Universum ist. Spinning (die Erfinder), Schwinn (die Entwickler), LesMills (die Qualitätsicherer), egal wer. Alles nur Vorläufer oder Plagiatoren von Tomahawk (den Revoluzzern). Das ist natürlich Quatsch. Es gibt richtig gute Schwinnis. Und es gibt auch richtig gute Spinner. Und es gibt auch sicher ganz großartige LesMills-Trainer. Einen kenne ich sogar sehr gut. Einer mit Breitband-Ausbildung in vielen Bereichen. Ein hoch qualifizierter Instructor, in dessen Kurs ich auch gehe.

Was wenige wissen: Die Richtlinien für gesundes Fahren (Tritt- und Herzfrequenz, Techniken) sind bei fast allen Ausbildungsbetrieben sehr ähnlich. Da hat sich, gerade in den vergangenen Jahren, sehr viel aneinander angenähert. Die Indianer sind gesundheitlich betrachtet sicherlich mit am Vorsichtigsten. Das macht die anderen aber weder schlechter noch ungesünder.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Indianerpfad sich schon von den anderen Wegen zum Teil deutlich unterscheidet. Wir orientieren uns weniger am Radfahren, als an echter Gruppenfitness. Beatmatching, synchroner Tritt. Choreographierte Profile mit deutlicher Einbeziehung von Spannung und Drama der Musik. Jederzeit in Einbeziehung wissenschaftlich fundierter Trainingsmethodik, aber nicht umsonst bezeichnet so mancher Amerikaner unsere Tätigkeit als „Dancing on the Bike“. Für ein liberales Format wie Spinning ist derlei schon fast Nötigung. Jeder in seinem Tempo und seiner Position, „Freedom to ride“. Alle anderen befinden sich irgendwo dazwischen.

Aber!

Trotz aller Unterschiedlichkeit haben alle Systeme Regeln.

Und es ist Scheiße, wenn sich Trainer nicht daran halten.

Ein Trainer ohne Ausbildung ist ein Hohn all denen gegenüber, die sich über Jahre weiterbilden und bemühen, besser zu werden. Ein Trainer der seinen Kenntnisstand nicht aktualisiert ignoriert die Erkenntnisse, die Wissenschaft und auch zeitliche Entwicklung mit sich bringen. Ein Trainer, der einfach nur sein Ding macht, gehört nicht vor Teilnehmer, die ihm blind hinterher fahren.

Ein Trainer der sich selbst nicht immer und immer wieder kritisch hinterfragt, hat aufgehört sich zu entwickeln. Offenes Feedback von Kollegen, Workshops zur Kontrolle von Präsentation und Kursdurchführung. All dies sind Werkzeuge um sein Potential zur Weiterentwicklung wach zu halten. Triebfeder muss auch die Frage sein, ob man die Leistung zu erbringen imstande ist, die man auch von anderen erwarten würde.

Und jetzt?

Es braucht Regeln. Es braucht Grenzen. Die Indianerregeln sind sinnvoll. Ebenso wie die Indianergrenzen. Mindestens für Indianer. Die Regeln und die Grenzen einzuhalten müssen für jeden Indianer oberste Prämisse sein. Und dabei geht es nicht darum, ob man noch bei 82bpm Jumps machen darf. Oder ob 102bpm noch im Warmup oder im Cooldown zulässig sind. Das sind echte Marginalien auf die man sicherlich regelmäßig schauen und korrigierend prüfen sollte. Allein um sicher zu stellen, dass aus 82bpm nicht irgendwann 92bpm werden. Dies ist aber sicher kein Grund, zum Fundamentalisten zu werden.

Ausbildung ist wichtig. Die lebendige Anwendung des Gelernten wichtig. Entwicklung ist wichtig. Keine starre Regelauslegung oder dominante Durchsetzung.

Dazu gehört auch durchaus, mal ein ganzes Profil zu improvisieren. Mal über einen Break drüber zu brettern. Oder auch die Große Eins nicht zu hören. Ein Augenzwinkern. Beim nächsten Mal weiß ich es. Die Teilnehmer werden es gar nicht mitbekommen haben. Die merken nur die 120bpm im Stehen. Nicht sofort. Aber irgendwann.

Und danach?

Es wird noch in diesem Jahr einen Training Day für mich geben. Ein Workshop für Presenter um Feedback und Response zu bekommen. Um aus professionellem Munde zu hören, was ich auf Rad und Bühne so anstelle.

Im besten Fall treffe ich dort denjenigen, der mich auf dem Weg bis inklusive der Elite Zertifizierung begleitet hat. Derjenige, von dem ich mit am allermeisten lernen durfte. Demjenigen, dem ich sehr, sehr viel verdanke. Und wenn ich dann vorfahre und derjenige mich mit Fackeln und Heugabeln vom Bike jagen sollte, werde ich es verdient haben. Dann werde ich mir den Titel des Indoor Cycling Instructors erst wieder erarbeiten müssen. Bis dahin wünsche ich mir aber, ihn würdig tragen zu dürfen.

Eines weiß ich jedoch ganz sicher:

Ich bin Indianer. Und sehr stolz darauf.