Nach knapp zwei Jahren, zahlreichen Irrungen und Wirrungen, ist das Ziel geschafft. Die höchste aller lohnenswerten Zertifizierungen im Indoor Cycling ist erreicht: ELITE. Vollständig “ICG Elite Level Instructor”. Mehr geht nicht. Zumindest im Indianerlager.

Vor einem Jahr noch undenkbar. Da fühlte sich PREMIUM schon an wie der Mount Everest. ELITE schmeckte nach Mond. Und auch heute ist das Gefühl es geschafft zu haben noch nicht ganz angekommen. Das ist schon was ganz Großes. Finde ich.

Warum musste ich so weit gehen? Und warum hat das so lange gedauert? Und wieso bedeutet mir das so viel?

Auf dem Weg

Die Vorbereitung zur PREMIUM Zertifizierung ist nicht trivial. Die Hausarbeit, Level 1-4 und drei Mixed Class Profile zu erstellen, will erstmal geleistet sein. Und jedes Mal wenn man glaubt fertig zu sein, fällt der nächste Fehler auf. Um dann festzustellen, dass man doch nochmal die Trainingsmethodik prüfen sollte. Um dann wiederum festzustellen, dass das Profil im Kurs nicht fahrbar ist. Uneindeutiger Beat, ausbleibende Stimmung, unerkannte Breaks. Oder der Song passt einfach nicht ins Gesamtbild. Ändern, probieren, scheitern und wieder von vorne. Die kleine Kür zur Musikanalyse. Jumps, Waves und ein Break. Nicht zu unterschätzen. Und der zu präsentierende Kurs. Sollte aber gehen.

Und dann kommen die zwei Tage der Zertifizierung so spontan, dass man sich vollkommen unvorbereitet fühlt. Es folgen zwei Tage höchster Anstrengung und soviel Korrektur, Hinweis und Erweiterung, dass man sich neu erschaffen glaubt. Mit der Zertifizierung als Lohn.

Mein Weg

Ich fand den Weg und die Vorbereitung zur PREMIUM Zertifizierung heftig. Und war damit an einem Ziel angekommen, dass ich mich „so gerade eben“ zu erreichen imstande wähnte. Endlich die Unsauberkeiten aus anderen Ausbildungssystem oder von anderen Anbietern ausgetrieben. Endlich mit vernünftigen Konzepten ausgestattet um anspruchsvolle Profile bieten zu können. Endlich mit einer glaubwürdigen Körpersprache ausgestattet. Bereit zur Umsetzung. Endlich durch mit der Lernerei. Zusammengefasst: Endlich fertig mit dem Scheiß. Nie mehr mich so einem Stress unterwerfen. Um mich eine Woche später für ELITE anzumelden. Ich muss Tinte gesoffen haben.

Kein Ende in Sicht

Das Konzept von ELITE ist eigentlich ganz einfach: PREMIUM in anständig. Alle Profile jetzt ohne Fehler. Vernünftig präsentiert. In ordentlicher Technik. Sauberes Cueing. Saubere Körpersprache. Alles sauber. Souveräner. Nicht so viel quatschen. Ordentliche Zusammenstellung von Musik. Diesmal auch mit dem Verständnis von Trainingsmethodik. Und natürlich ein bisschen Theorie. Zu deutsch: Katastrophenalarm. Mir sei die ehrliche Ansage erlaubt: Ich war einige Male versucht hinzuwerfen. So viele Dinge die zu üben waren. Die abzustellen waren. Nicht nur Kleinigkeiten. Gesamteindruck: Unwürdig.

Mit Blick zurück auf die PREMIUM Zertifizierung erscheint die Vorbereitung zu ELITE wie die Reise zum Mond. Ja, da war das Gefühl wieder.

Blick vom Sosigenes

Indoor Cycling im Indianerstil ist mehr als nur Fahrradfahren auf fixierter Position. Wenn man nur dies will, dann reichen auch andere Ausbildungen. Zumindest kurz. Wenn man aber erstmal auf Indianerpfaden unterwegs ist, dann ist alles andere irgendwann mal unerträglich. Musikauswahl, Profilaufbau, Cueing. Alles Nicht-Indianische erscheint fremd. Über kurz oder lang.

Mit der BASIC Ausbildung lernt man den Indianer kennen, mit dem PRO Level hört man seine Stimme. In PREMIUM lernt man seine Sprache. ELITE lässt Dich sprechen.

Aus heutiger Sicht war der Weg hart, aber er hat sich gelohnt. Und selbst wenn ELITE nicht auf Anhieb klappt, so hat es einen elementaren Sinn: Es macht Dich als Cycling Instructor besser. Perfektion als Ziel, auf einem Weg der kein Ende hat. Aber der Weg ist geil. Und mit jedem Meilenstein veränderst Du Dich. Wenn Du Bock darauf hast und Selbstkritik zulässt.

Danke

Vielen Dank all meinen Kommilitonen, die ich auf dem Weg getroffen habe. Viele sind mir erhalten geblieben und ich darf sie heute als Familie betrachten. Auch den Mastern sei Dank ausgesprochen. Allen Mastern. Ausnahmslos. Ihr macht einen Job, der mich zu dem gemacht hat, was ich mir heute zu sein wünsche. Dafür danke ich allen Beteiligten, allen Wegbegleitern und -Bleibern und auch noch denjenigen, denen ich noch über den Weg zu laufen beabsichtige.

Was ist mit Dir?

Wenn Du das liest und gerade mit BASIC oder PRO begonnen hast: Fühl Dich inspiriert. Lass die Emotion zu und hab vor PREMIUM keine Furcht. Und danach ist der Weg noch lange nicht zu Ende. Auch nach ELITE geht es noch weiter.

Und jetzt?

Alles hat sich verändert. Allein in den vergangenen zwei Jahren. Und ich bin mir sicher, dass die Veränderung weitergeht. Derartige Veränderungen brauchen Zeit. Zeit zum Verinnerlichen. Zeit, auch eine persönliche Note zu entwickeln. Ich wünsche mir noch besser zu werden. Damit ich vielleicht eines Tages jemanden dazu inspiriere es mir oder meinen verehrten Trainerkollegen gleich zu tun. Dann geht die Saat auf. Und darum ist mir das wichtig.

Die besten Wünsche in alle Familien.