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//Die Gehirnwechseldiät

Die Gehirnwechseldiät

Prinzipiell ist Ernährung reine Chemie in biologischem Milieu unter der Willkür von Physik. Ein menschlicher Körper benötigt eine recht kalkulierbare Menge an Energie um zu funktionieren. Funktionieren bedeutet hierbei Betrieb, Reparatur und Wachstum. Mehr Betriebsbewegung benötigt mehr Energie.

Führt man dem Körper mehr Energie zu als er verbraucht, wird überschüssige Energie in Form von Körperfett gespeichert. Führt man zu wenig Energie zu, bedient sich der Körper der vorhandenen Speicher und das Körperfett wird weniger.

Wie gesagt: Chemie, Biologie und Physik. Leider hat der Konstrukteur dieses Konzeptes dem Menschen einiges an Widerstand mit auf den Weg gegeben. Widerstand gegen einfachste Mechanismen was Bewegung und Ernährung betrifft, sowie Resistenz gegenüber Erkenntnissen der modernen Wissenschaft. Entsprechende Gesetzmäßigkeiten kommen bei erschreckend vielen Menschen nur als weißes Rauschen an. Arroganz, Irrglaube und Ignoranz, geleitet von unbeirrbarer Selbstüberschätzung, dienen dabei als Multiplikatoren. Dummheit, die eigene oder die von Staat und Werbung verordnete, schafft dabei eine wohlige Atmosphäre von Sicherheit.

Drüber ist das neue Normal

Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen ist adipös, also stark übergewichtig (Q1). Schaut man sich die Trends an, so wird es nicht besser. Prophezeihbare Spätfolgen wie Diabetes und Bluthochdruck steigen im Vorkommen kontinuierlich an. Der Trend zu erhöhten Blutfettwerten ist zwar stabil (Q2), schürt aber trotzdem nicht die Hoffnung, dass sich etwas ändert.

Die Vier Reiter der Wohlstands-Apokalypse (Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterin und Blutzucker) sind unterwegs und treiben uns den metabolischen Hammer in Gedärm und Schädel. Letzteres auch erkennbar daran, dass der Trend, sich subjektiv wohl und gesund zu fühlen, ebenso ansteigt (Q2). Damit geht es vielen Menschen zwar schlecht, sie merken es aber nicht. Intelligenten Menschen geht es auch nicht besser, sie wissen es aber nicht.

Zwischen Wunsch und Verweigerung

Eines bleibt den meisten Menschen gemeinsam: Der Wunsch nach Gesundheit, Gewichtsreduktion und einem guten Abendessen. Letzteres geschmackvoll, sättigend und natürlich mit maximalem Genuss- und Kulturerlebnis. Ob jetzt zusätzlich durch Wein, Fleisch oder Fernsehen wird nicht selten am gesellschaftlichen Schichtenmodell festgemacht.

Dummer Weise hat Gewichtsreduktion mit der Einschränkung der Nahrungsaufnahme zu tun. Gewichtsabnahme ja, aber sich dafür derart quälen? Der Beginn von Verweigerung und gesellschaftlich akzeptiertem Scheitern.

Willkommen in der viszeralen Demenz.

In diesem Absatz könnte bereits jetzt die Ankündigung kommen, dass im nächsten Absatz die Anleitung steht, wie man kontrolliert und kalkuliert abnehmen kann. Garantierte Gewichtsreduktion. Mit Sicherheit. Um in einigen Wochen (oder Monate, je nachdem wieviel runter muss) das Wunschgewicht erreichen. Selbst hoffnungslose Fälle. Und das Ganze mit Nachhaltigkeit. Endlich Normalgewicht. Wäre das nicht faszinierend?

Faszinierend daran ist, dass die Ankündigung keiner ernst nehmen würde. Man würde vielleicht und maximal einen humorigen Text erwarten. Oder Marketing-Gewäsch. Oder paranoid verkaufsorientierte Mantren aus dem Zentrum von Gesundheit und Zehenleuchten. Wirklich nachvollziehen würde die Anleitung wohl niemand. Geschweige denn, den Weg zu gehen. Zu aufwändig. Zu stressig. Zu kompliziert. Zu alles. Und so einfach kann es ja nicht sein. Willen und Motivation, Initiative und Disziplin. Hier behindert durch Irrglauben: Es kann ja nicht einfach sein, was ein Leben lang kompliziert war. Und behindert durch Arroganz: Was kann jetzt schon kommen. Wo doch jeder weiß, dass es unmöglich ist?

Nochmal ganz deutlich: Selbst, wenn es hier wirklich und wahrhaftig, schwarz auf weiß stünde wie es geht, es würde keiner glauben, wollen oder machen.

Ich kann die Gegenwehr nicht nur verstehen, sondern sogar bestätigen. Ich habe den Großteil meines Lebens auf der Suche nach dem heiligen Gral verbracht. Um festzustellen, dass ebendieser auch aus Tupperware bestehen kann. Alternativ Emsa. Und dass sich dieses Zubehör schon ein ganzes Leben in meiner Nähe befunden hat. An mir zugänglichen Stellen. Ich war fett, ich war ahnungslos, ich war verzweifelt. Jetzt übrigens nicht mehr.

Der Stoffwechsel
Pest, Cholera und Schuld an allem.

Der menschliche Stoffwechsel ist ein Zusammenspiel von katabolen und anabolen Reaktionen. Katabol bedeutet hier einen Abbau von komplexen Nahrungsstoffen (Kohlenhydrat, Fett, zum Teil auch Protein) zur Energiebereitstellung, während anabol bedeutet, unter Energieverbrauch körpereigene Substanz aus einfachen, zugeführten Bausteinen (Protein) aufzubauen. Ein Geben und Nehmen im ständigen Wechsel.

Energie plus Baustoff plus Reiz gleich Aufbau.

Ist der Reiz (Grundumsatz plus Bewegung) zu klein wird aus Energie Lagermaterial. Die Batterie wird bauchiger. Ist der Reiz größer, wird Energie aus der Batterie bezogen.

Organisiert wird das alles innerhalb chemischer Prozesse über den Stoffwechsel, womit dieser von allen körperlichen Prozessen und Wechselwirkungen der komplexeste Mechanismus ist. Übergreifend betrachtet eigentlich auch der einzige.

Maßeinheit im Umgang mit dem Energiestoffwechsel ist die Kalorie (Joule wäre eigentlich „richtiger“, aber damit arbeitet kein normaler Mensch). Mit der Kalorie wird – zugegebenermaßen mehr schlecht als recht – versucht, Mengen und Verbrauch zu bemessen. Schlecht, weil die Werte eigentlich nicht so richtig sind. Recht, weil es damit zumindest einen Ansatz gibt um messen zu können.

Der Stoffwechsel funktioniert bei allen Menschen eigentlich gleich. Bei dem einen vielleicht etwas besser, bei dem anderen etwas schlechter, aber im Großen und Ganzen gibt es im Betrieb des Stoffwechsels (Plural wäre eigentlich besser, weil richtiger) keine echten Unterschiede. Von krankheitsbedingten Einschränkungen einmal abgesehen.

Gewichtsveränderungen und ästhetische Defizite sind hier meistens nur ein Problem unter anderen.

Übrigens sind Störungen im Stoffwechsel sehr viel weniger verbreitet als die meisten Menschen denken. Jetzt mal abgesehen von Diabetes oder (mutwilliger) Ketoazidose (Insulinmangel und daraus resultierende Konsequenzen durch aggressive und endlose, ketogene NoCarb-Exzesse). Gicht ist übrigens auch eine Stoffwechselkrankheit.

Für die meisten Menschen ist der Stoffwechsel schuld an allem. Wenn die Diät stagniert, befindet man sich natürlich im Hungerstoffwechsel. Der Kalorienverbrauch geht runter und Diätbemühungen sind damit annähernd hinfällig. Mit ein bisschen Glück ist der Stoffwechsel nur eingeschlafen. Wecken aber nur möglich mit normaler, anständiger Nahrung. Leider erschlägt einen dann das Jo-Jo. Jetzt aber ist der Stoffwechsel kaputt und Diäten spätestens ab da vollkommen zwecklos.

Alles irgendwie bekannt oder schon mal gehört, oder?

Alles Quatsch!

Es ist einfach, dem Stoffwechsel die Schuld für alles zu geben.

Einen Hungerstoffwechsel gibt es dann und nur dann, wenn man wirklich und wahrhaftig am Verhungern ist (Q6). Nicht wenn man einmal eine oder zwei Wochen kürzer tritt oder sogar fastet.

Solange Speicherfett am oder im Körper ist, gibt es keinen Hungerstoffwechsel.

Punkt!

Wenn (professionelle) Bodybuilder, ggf. unter Einsatz von bewusstseinserweiternden Lebensmittelzusätzen in die Wettkampfdiät gehen, oder ein (mehr oder weniger professionelles) Model während ihrer chronischen Minimal-NononoCarb-Phase ihre Schilddrüse schädigt oder eine aktive Mangelernährung (Malnutrition) betrieben wird und es darüber hinaus zu (schweren) hormonellen Störungen kommt (Stichworte: Leptin, Insulin, Cortisol) dann kann ein Stoffwechsel geschädigt sein.

Das kann man auch als Nicht-Professioneller erreichen mit jahrelangen, defizitären Diäten und massiver Mangelernährung in Makro- oder Mikronährstoffen. Letzteres somit auch als Couch-Potato. Ganz ohne Diät. Das ist doch mal Gerechtigkeit.

Zum Merken: Ein Stoffwechsel schläft nicht ein, er geht nicht kaputt und schaltet auch nicht von jetzt auf gleich in einen Hungermodus.

Ausnahmen siehe oben.

Müde bin ich Känguru

Wer weniger Energie aufnimmt als er eigentlich braucht läuft in Gefahr, Müdigkeit mit Hunger zu verwechseln. Das ist ein normaler Prozess. Energielosigkeit ist ein Zeichen von Energielosigkeit. Müde Menschen essen mehr als wache Menschen. Ausreichend Schlaf und Vitalstoffe helfen dagegen. Zu Vitalstoffen aber gleich mehr.

Ja, blöde Überschrift. Das Känguru kann nichts dafür.

LowCarb, LowFat, LowIntelligence

Wenn Diäten (erst einmal) funktionieren, haben sie meist eines gemeinsam: Sie versuchen Kontrolle in die Zufuhr der Nahrung zu bringen. Ein Grund, weshalb Weight Watchers wirklich funktioniert liegt darin, dass der Proband dazu gezwungen wird nachzuprüfen, was er so in sich hineinstopft.

Ohne lästiges Kalorien zählen? Augenwischerei!

Lediglich Vereinfachung durch Punkte. Zwang durch Kontrollmitteilung. Und Gruppe. Austausch und Zwang zum Bericht. Inklusive kollektivem Globalschämen, wenn man das Wochenziel versaut hat. Wer will das schon? Und darum funktioniert das. Solange die Gruppe (oder ein Kontrolleur) da ist.

LowCarb/LowFat? Kein Kalorien zählen aber zum ersten Mal mit offenen Augen durch den Supermarkt. Was ist denn wo drin? Vor lauter Suche nach Low hat man gar keine Zeit mehr zum Essen oder findet einfach nicht ausreichend zulässige Lebensmittel oder findet einfach zum ersten Mal Zugang zu Gemüse.

Und wie durch Zauberhand fallen Pfunde. Zumindest erst einmal. Bis Lowcarb/Lowfat sich zu verwässern beginnen und wieder zu Morecarb/Morefat werden. Spätestens dann, wenn man weiß was man darf.

Dann können die Mengen auch schnell wieder ignoriert werden. Warum? Normal!

Worum geht es wirklich?

Viele Menschen haben es relativ gut im Griff. Sie essen mal mehr mal weniger. In Summe ist Umsatz gleich Zufuhr. An einem Tag mal etwas mehr, dafür an einem anderen Tag etwas weniger. Völlereien haben dann fast automatisch Fastentage zu Ausgleich. Derart gut funktionierende Menschen werden aber immer seltener.

Änderungen im Leben können schnell zum Dilemma werden.

Aus der Entdeckung einer neuen Schokoladenart zu Beispiel ergibt sich ein Mehr an Kalorien von sagen wir mal 150 kcal. Das wären ca. 25 g. Das Viertel einer Tafel. Gehen wir ruhig davon aus, dass immer nur ein bisschen davon verzehrt wird. Eine Tafel (100 g) in der Wochensumme, weil lecker. Es schleicht sich Gewohnheit ein. 600 kcal pro Woche sind 7.200 kcal in 12 Wochen, bzw. 3 Monaten. Sollte man sich „eigentlich“ immer in Balance befinden, sind diese knapp 7.000 kcal ein echter Überschuss. 7.000 kcal sind deshalb spannend, weil das exakt die Anzahl an Kalorien sind die für die Anlagerung von einem knappen Kilo muskelfreier Fettmasse benötigt wird. Zöge man die Leckerei durch, kostet das 4 Kilo im Jahr. Unter der Annahme, dass man sonst nie über die Strenge schlüge, man nicht älter wird und der Anteil der Muskelmasse bis zum Lebensende immer gleich bleibt.

Schon gewusst? Der Grundumsatz in Sachen Kalorien hängt direkt mit der Muskelsubstanz zusammen. Mehr Muskeln, mehr Verbrauch. Weniger Muskeln, weniger Essen. Sollte man zumindest.

Wundert sich übrigens noch jemand, warum viele Menschen im Alter immer dicker werden? Alter fängt übrigens an mit 30. Das ist (spätestens) auch der Zeitpunkt, ab welchem die Muskeln weniger werden.

Darum: Energiebilanz!

Alle Diäten, alle Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, dienen dazu, die Zufuhr einzuschränken. Mit oder ohne Sport.

Einfacher Leitsatz: Wer weniger isst als er verbraucht nimmt ab. Und dies ist unumstößlich. Leitsatz andersherum: Wer zu viel isst nimmt zu. Umkehrschluss: Wer aus unerklärlichen Gründen zunimmt, hat zu viel gegessen. Ganz einfach.

Straßendeutsch: Frisste weniger, wirsste weniger.

Diät gescheitert.
Obwohl ich kaum was esse.

Niemand setzt sich in sein Auto, bindet sich die Augen zu und fährt los. Zu groß ist die Angst, mit einem anderen Auto oder einer Wand oder was auch immer zu kollidieren. In Bezug auf Ernährung sind die meisten Menschen aber in permanentem Blindflug unterwegs.

Kommen sie noch gerade unfallfrei auf die Autobahn (das ist ja schon sehr unwahrscheinlich) spekulieren sie darauf, Strecken zwischen Hamburg und München ohne Sicht zurücklegen zu können.

Schaut man sich die Ernährungsgewohnheiten mancher Leute genauer an müssen wir sie für unser Beispiel noch umgekehrt in den Sitz setzen und die Hände mit den Füßen fixieren. Und einen Ziegelstein aufs Gaspedal legen. Wer braucht da noch Bremse und Lenkrad?

Es geht um Kontrolle. Kontrolle dessen, was gegessen wird. Wann, was und vor allen Dingen wie viel. Am Tagesende gibt es exakt eine Zahl die darüber Auskunft gibt, ob man zu viel oder zu wenig gegessen hat.

Auf dem Weg zur Übersicht
Friede, Freude, Kalorien zählen

Kalorien zählen ist den meisten Leute viel zu stressig. Ebenso wie die meisten Leute schon keine Lust haben, ein Ernährungsprotokoll zu führen. Eine Woche aufschreiben, was man so zu sich nimmt. Ist für die meisten schon zu viel verlangt.

Mein Leitsatz: Wer nicht dazu in der Lage ist für eine Woche ein Ernährungsprotokoll zu führen, dem geht es noch nicht schlecht genug. Für mich ist die Bereitschaft zur Ernährungsbuchführung ein glaubwürdiger Indikator, ob es derjenige ernst meint. Die meisten kommen nicht über den ersten Tag hinaus. Das spart mir eine Menge Zeit.

Das Märchen vom Ausdauersport.

Laufen, Fahrrad, Crosstrainer. Alles Unfug. Das Einzige was wirklich etwas bringt ist schweres Muskeltraining. Und wenn die Beine wegfliegen, die Arme platzen und der Brustkorb explodiert, dann nur noch 5 Wiederholungen. So geht das.

Warum? Muskeln definieren einen großen Anteil des Grundumsatzes an Energie. Mehr Muskeln, mehr Energie, höheres Kalorienbudget.

Ausdauersport ist cool. Beruhigt und sorgt für Ausdauer. Zum Abnehmen ist das aber eher hinderlich. Verbraucht nicht genug, dass es sich lohnt und sorgt nur für schwere Hungerschübe danach. Wenn überhaupt Ausdauersport, dann bitte moderat und im Fettstoffwechsel. Vorher bitte die Fettpolster (Bzw. die Fetttröpfchen in den Zellen) mit einem knackigen HIIT aufbrechen (Stichwort Hormon sensitive Lipase) und die dabei freiwerdenden Triglyceride in die Zelle zur Verwertung chanten.

Also: Sport ist gut. Ausdauersport in der Ausschließlichkeit ist Quatsch. Es braucht Muskelaufbau.

Ohne Leben ist alles nichts: Vitalstoffe

Bei herkömmlichen, minderkalorischen Diäten sind Kraft- und Energielosigkeit relativ normal. Dazu kommen ggf. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel. Fühlt sich manchmal richtig Scheiße an. Warum? Nährstoffdefizite. Es fehlt an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Es braucht einen gewissen Level unter dem ein Körper nicht mehr wirklich funktioniert. Heißt, er funktioniert schon, aber nicht so richtig. Wie eine Normalbenzin-Füllung aus Turkmenistan in einem Ferrari Testarossa. Ja, er läuft. Nein, die Leistung ist eher mäßig.

Diätsymptome haben damit eigentlich mit der Diät nichts zu tun, sondern sind lediglich Zeichen einer Nährstoffunterversorgung. Was ist damit einfacher, als zu supplementieren?

Auch wenn ein Colin T. Campbell (der Typ mit der China Study) es anders sagt: Dem Vitamin C-Molekül ist es egal wo es herkommt. Warum also soll ich mit relativ ungelenken 120 kcal durch Apfel hantieren, während ich die 20fache Menge an Vitamin C kalorienlos in Dragee-Form bekommen kann? Zumal ich nur so (und nicht anders) sicherstellen kann, dass auch genau so viel Vitamin drin ist wie ich brauche.

Qualitätssicherung beginnt bei der Auswahl. Vitamingehalt hört auf bei der Lagerung. Nach 2 Tagen ist ein großer Anteil von Vitaminen im Obst schon verflogen. Wie also kann ich mir sicher sein?

Also: Vitamine per Supplement, Obst für Spaß. Wenn die Fructose nicht zu viel wird.

Gewichtsreduktion ist simpel.
Willkommen unter Laborbedingungen.

Man nehme eine kleinstmögliche Menge an Protein und Fett. Im besten Fall zugeschnitten auf das Körpergewicht. Während die DGE 0,8 g Eiweiß pro Kilo Körpergewicht zum leidlichen Substanzerhalt als Grenze ansieht um auch die Nieren nicht zu schädigen (Q3), so sind an anderer Stelle auch bis 2 g pro Kilo Körpergewicht durchaus zulässig (Q4, Q5).

Am einfachsten und auch zuverlässigsten bekommt man sein Protein beim Bodyshop seines Vertrauens. Ein Mehrkomponenten-Eiweiß ist ein guter Anfang, ein Whey, oder ein Whey-Isolat schon der Anfang höherer Weihen. Veganer mögen auch bei Reis-, Soja- oder Erbsenprotein fündig werden. Pflanzliches Eiweiß ist von der Wertigkeit nicht so hoch wie tierisches, aber dem Veganer sind Defizite und Einschränkungen ja nicht unbekannt.

In Sachen Fett sind Omega3-Fettsäuren (EPA/DHA) das Maß aller Dinge. Beziehungsweise das Verhältnis zwischen Omega3 und Omega6. Omega3 sollte höher liegen. Ein fast schon gestörtes Omega3/Omega6-Verhältnis findet sich zum Beispiel in Sonnenblumenöl und Maiskeimöl. Das darf man getrost wegschütten. Wir wollen beim Minimum bleiben. Eine gute Quelle sind Fischölkapseln. Reines Omega3. Perfekt. 10 Kapseln am Tag (=10g Fischöl) sind nicht zu viel.

Und was ist dann noch mit Kohlenhydraten? Eigentlich nichts. Braucht man an dieser Stelle eigentlich (erst mal) nicht. Außer, wenn man körperlich aktiv ist. Oder Sport macht. Oder es dringend braucht. Ich für meinen Teil komme mit 1 g pro Kilo Körpergewicht aus. Die eine Hälfte vor, die andere Hälfte nach dem Sport. Gute Kohlenhydrate finden sich in Babybrei, Hafermehl oder –Flocken.

Das Wichtigste kommt jetzt: Woran kranken eigentlich alle einschränkenden Diäten? An der Vitalstoff-Versorgung. Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Vitamin C, B-Komplex, A/E, Eisen, Magnesium, Zink. Zu viele um alle im Einzelnen hier aufzuzählen. Ganz wichtig und eigentlich einen eigenen Artikel wert: Vitamin D. Das sollte man einmal im Rahmen eines großen Blutbildes messen lassen und die entsprechende Supplementierung darauf hin angepasst vornehmen. Das Deutsche Institut für Risikobewertung empfiehlt hier einen Spiegel von knapp über 20 ng Vitamin D 25(OH)D, während andere Stellen 60-80ng oder sogar noch mehr als optimal aussprechen. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er seinem übergewichtigen Hausarzt mit schlechtem Hautbild glaubt, oder jemandem, der seine Ausbildungen auf aktuellem Stand hält. Während bei der DGE Dosierungen von 800-1000 iE mehr als vollkommen ausreichen, sind bei anderen 5.000-10.000 iE als tägliche Dosis angeraten.

In Summe ist ein Multivitamin/Multimineral-Präparat ein guter Anfang. Sich über weitere Dosierungen zu äußern würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und den mittlerweile müde geschriebenen Leser noch mehr langweilen. Eine Blutwertmessung ist so oder so sehr sinnvoll. Messen, Auffüllen, Messen, Spiegel aufrechterhalten. Ob mit oder ohne Diät. Wissen ist Macht. Macht über sich selbst und seinen Körper.

Was fehlt sind noch Ballaststoffe. Die DGE empfiehlt 30 g am Tag. Ballaststoffe sind Unverdaulichkeiten und zuständig für die gesunde Funktion von Sättigung, energieloser Verdau und Peristaltik. Darüber hinaus werden noch Cholesterin-Senkung angenommen (Die Studienlage ist nicht eindeutig und die Experten zerrissen), ebenso wie Senkung des Blutzuckers durch ebendies. Ballaststoffe finden sich in Kleie und Gemüse. Obst oder Nüsse wären auch gut, sind an dieser Stelle aber nur unnötiger Energielieferant.

Und Wasser. Braucht es noch einen Hinweis, dass alle kalorientragenden Getränke überhaupt nicht als Energie empfunden werden und es keinen, aber auch wirklich gar keinen Grund gibt, Kalorien per Getränk aufzunehmen?

Sollen wir mal kurz rechnen?
Jetzt kommt die Anleitung!

Nehmen wir als Beispiel einen Mann mit 85 kg und erklärten Sportabsichten.

  • 85 * 2 g Protein = 170 g Protein = 680 kcal
  • 85 * 1 g Kohlenhydrate = 85 g Kohlenhydrat = 340 kcal
  • 10 * 1 Kapsel mit Fischöl = 10g Fett = 90 kcal
  • 50 g Kleie = 130 kcal (Das ist ein theoretischer, faktisch willkürlich festgelegter Wert).

Summe: 1.240 kcal

Mit dieser Zahl kann man jetzt arbeiten. Und gesund abnehmen. Mit Sport. Ohne Sport können die 340 kcal aus den Kohlenhydraten noch weg. Funktioniert. Versprochen. Selbst ausprobiert.

Aber: Irgendwas fehlt. Oder stört. Zu wenig Kultur? Zu viel Labor?

Ein alltagstauglicher Plan

Vorstehende Anleitung besteht aus Proteinkonzentrat, ggf. Kohlenhydraten aus Hafer, Fischölkapseln, Ballast- und Vitalstoffen. Der Bedarf ist gesichert. Es gibt genügend Protein. Im Falle von Sport auch genügend Kohlenhydrate. Ausreichend Vital- und Ballaststoffe.

Mit so viel Fokus kann leider nicht jeder umgehen. Das eigentliche Vergnügen beim Essen ist weg. Ersetzt durch reine Funktionalität. Wer in minimaler Zeit seine Möglichkeiten ausreizen möchte, sein Ziel als wichtig erachtet und vor allen Dingen auch erreichen möchte, der sollte aber mal darüber nachdenken.

Und wo ist jetzt die schöne Kultur?

Lecker Essen. Guter Wein. Lecker Bierchen. Mal gemütlich am Wochenende chillen. So kann es einem mal echt gut gehen.

Ja, kann es. Tut man dies regelmäßig und überschreitet damit ebenso regelmäßig die Menge der verbrauchten Energie, wird man zunehmen. Unweigerlich. Wie das Amen in der Kirche. Ohne Chance es abzuwenden. Ganz in echt. Viel Fraß viel Gewicht. Ganz einfach.

Kultur ist Kopfsache. Ich für meinen Teil mag weder Bier noch Wein. Am besten geht es mir ganz ohne Alkohol. Schmeckt mir nämlich auch nicht. Natürlich habe ich auch in der Vergangenheit gefeiert und auch mal mehr dem Alkohol zugesprochen, ich kenne aber mehr Leute die sich betrunken danebenbenehmen als solche, die sich mir in entsprechendem Zustand als kultureller Vertreter angedient hätten. Jetzt mal abgesehen von den Leuten, die der Suff das Leben gekostet hat. Alkohol und Kultur sind nur bedingt direkt miteinander verknüpft.

Wer schwere Kopfschmerzen und nachhaltige Übelkeit als Indikator für gutes Feiern betrachtet, der ist herzlich dazu eingeladen, sich regelmäßig in einer griechischen Billig-Pommes Bude verprügeln lassen.

Wo wir gerade bei Pommes Bude sind. Früher war mir eine (oder auch mal zwei) Currywurst mit doppelt Pommes und Mayonnaise (von einer ganz bestimmten Stelle) ein unnachahmliches Fest. Mehr Kultur ging nicht. Etwa 1.800 kcal für eine Mahlzeit. Aber auch nur eine Wurst. Für eine zweite wäre etwa 500 kcal draufzurechnen. Zwei Tage später, man war ja gerade in der Nähe, nochmal. Kultur “To Go”. Zum Mitnehmen. An Hüfte und Gesäß. Natürlich erhebt Currywurst/Pommes nicht den Generalanspruch auf Kultur. Für jemand anderen sind das Pfannkuchen. Oder Schweinebraten. Oder, oder, oder.

Was bleibt: Essen als Kulturverständnis heiligt Kalorien und verbietet nahezu die Betrachtung als Energielieferant und Gewichtsanlass. Wenn es zum Frevel wird, Bier oder Wein zu kritisieren, dann wird schon Gewichthalten zum Spießrutenlauf. Keine guten Voraussetzungen.

Wer zu einem leckeren Sauerbraten nicht auf sein Bier verzichten mag und am Wochenende gern mal eine gute Flasche Wein öffnet, der mag sich nicht darin bremsen lassen. Mit ernährungsbewusstem Verhalten, gerade im Rahmen einer Diät, hat das aber nichts zu tun.

Das Ganze für viel Geld:
Stoffwechsel- und Geldbeuteldiät.

Wir wissen jetzt wie es geht, oder?

Schlaue Menschen sind auf die Idee gekommen und schütten ein Protein-Kohlenhydrat-Gemisch zusammen, kombinieren das mit einem Vitalstoff-Cocktail, garnieren das wiederum mit ein paar Kügelchen Globuli (das sind Wirkstoff-Simulationen aus der Phantasiewelt der Homöopathie) und verkaufen dies als Ultima Ratio.

Die Spezialisten reichern noch an mit modernen, anerkannten Superfood-Komponenten, alldieweil diese schon allein wegen ihrer Aktualität sowohl Reputation als auch Wirkung haben. Müssen.

Maca, Goji, Alohe Vera (auch in der Hawaii-Edition als Aloha Vere), Spirulina, Chia, etc. pp.

Effekt: Alles oxidiert. Alles knallt. Alles bewegt sich. Ein Universum von Inhaltslosigkeit aber einer Menge Glaube. Alles im Zeichen der Gesundheit und der Kasse des Herstellers.

Funktioniert!

Klar, dass es funktioniert. Es gibt ja auch ein ordentliches Defizit. Wer bei 500 kcal am Tag nicht abnimmt ist entweder tot oder nur 60cm groß.

Und mit den Vitalstoffen (Vitamine, Mineralien und Spurenelemente) ist auch sichergestellt, dass es ohne Defizite (Kopfschmerzen, Müdigkeit, etc.) einhergeht.

Eigentlich sogar eine gute Sache, …

… wären da nicht die unverschämten Preise und die quacksalbrigen Versprechen.

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe als Garant für eine neue Weltordnung. Auf nach Hawaii. Aloha! Vorher noch die Zellen zurücksetzen, oder einfach mal Grundreinigung auf Zellebene. Marketing-Gewäsch vom Allerfeinsten zu ebenso feinen Preisen.

Da brodeln die Zellschlacken.

Hier kommt die gute Nachricht:

Es funktioniert auch ohne Globuli. Ohne Superfood-Komponenten. Zu einem Bruchteil des Preises. Als Bausatz bei Amazon. Anleitung siehe oben.

Hier kommt die schlechte Nachricht:

Was nichts kostet, kann nichts sein. Mist.

Und dann?

Für viele ist das Halten des Gewichtes schwieriger als Gewichtsreduktion.

Woran das liegt? In der Diät wird akzeptiert, dass man für eine bestimmte Zeit anders und vor allen Dingen weniger zu sich nimmt. Nach der Diät möchte man gern wieder “normal essen”. Das kann nicht funktionieren.

Nochmal auf Deutsch: Wenn “normal essen” zu Übergewicht geführt hat, wird man nach einer Diät mit “normal essen” wieder zunehmen. Weil “normal essen” wieder bedeutet, dass man zu viel isst. Oder einfach falsch. Zu viel Junkfood. Zu viel Industriepampe. Zuviel Unfug.

Ziel einer Diät muss also sein, dass man seine Ernährung nicht nur temporär, sondern dauerhaft (und für immer) umstellt. Die Diät ist damit nur noch Übergangsphase in ein ganz neues Ernährungsverhalten. Ein Verhalten welches garantiert, dass man nicht mehr zunimmt.

Es macht durchaus Sinn, mal bei einer Diät mit Vollgas, das heißt extrem hypokalorisch vorzugehen. Bis man sein Ziel erreicht hat kann man sich darüber Gedanken machen, was danach kommt.

Und wenn es nur eine Facebook-Gruppe zum Thema “Orthorexia Nervosa” ist.

Darüber aber vielleicht an anderer Stelle mehr.

Abschließend, ganz wichtig: Wenn Du das ein oder anderer aus diesem Text umzusetzen vorhast, dann finde VORHER einen kompetenten Arzt und sprich mit ihm. Lass Dich durchchecken und DANACH kannst Du Gas geben. Viel Erfolg dabei.

Bis hierhin durchgehalten? Cool.

Jetzt reicht es aber 🙂

Quellennach- und verweise:

  • Q1: RKI, Robert Koch-Institut 2014, Studie DEGS1, Erhebung 2008-2011
  • Q2: RKI, Robert Koch-Institut 2014, GEDA 2012, Erhebung 2003-2012
  • Q3: DGE Deutsche Gesellschaft für Ernährung: http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/
  • Q4: Manninen AH. High-protein diets are not hazardous for the healthy kidneys. Nephrol Dial Transplant. 2005 Mar;20(3):657-8; author reply 658. PubMed PMID: 15735253
  • Q5: Campbell B, Kreider RB, Ziegenfuss T, La Bounty P, Roberts M, Burke D, Landis J, Lopez H, Antonio J. International Society of Sports Nutrition position stand: protein and exercise. J Int Soc Sports Nutr. 2007 Sep 26;4:8. PubMed PMID: 17908291; PubMed Central PMCID: PMC2117006.
  • Q6: Psychobiologische Aspekte des Hungerstoffwechsels, Iris Mara Bunn, Mücke: https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2006/11_06/EU11_430_434.pdf
Von |2018-12-28T13:27:21+00:00Juli 19th, 2017|Food|
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