Höher, schneller, weiter. Mehr Beats, schnellere Beats und Schweiß. Viel Schweiß. Gruppenfitness buhlt um seine Jünger mit Programmen und Formaten, dass “schwindelig” nur eines von vielen Attributen ist. Maximale Performance mit und ohne Choreographie für Anfänger und Fortgeschrittene, mit und ohne Frühstücksbrettchen auf Hinterkopf und Stirn. Auf der anderen Seite sprießen Yoga/Pilates-Studios aus dem Boden für die, die aus Achsel und Rektum leuchten und sich gegenseitig um die Wette wahrnehmen wollen.

Die einen rennen wie die Geisteskranken um ihre Fitness, die anderen atmen, rotieren und stretchen um ihr Leben und spüren gar nicht, dass ihre Muskulatur nicht mehr gebraucht wird. Mobil aber skinny fat. Der Dicke hält es für schlank. Dem Schlanken sind Muskeln egal. Sportlich gesund oder effektiv ist nichts davon.

bodyART: Vollständig und allumfassend

Ein sanftes, mobilisierendes Entrée, eine bewusst angesteuerte Wirbelsäule und Herausspüren der Tagesform, das ist der Anfang einer bodyART-Stunde.

Beginnend in einer kauernden Position auf dem Boden und langsames Größerwerden in einer Bewegung auf den Knien. Vor, zurück. Klein, lang. Erster Kontakt mit Yin und Yang. Erste Herausforderung, ein “Hinabschauender Hund”. Ein Standard im Yoga. “Umgekehrtes V” im bodyART.

Es folgen Bewegungen, die einem funktionalen Warmup entsprechen. Länge, Weite, Tiefe, aufrecht und in Hocke. Ein Hauch von Musik. Ein sanfter Rhythmus, leise. Langsame Beats im Hintergrund. Geschlossene Augen und ein wiederkehrendes Bewegungsmuster verschweißen Atmung und Bewegung zu einer Einheit. Schwungbewegungen. Arme, die nach vorn fallen und den Oberkörper mitnehmen. Ausatmen. Zehenspitzen verlassen den Boden. Arme fallen zurück. Einatmung und Aufrichtung sind eins.

deepWORK: Ausflug in die Sonne

In der International Class beginnen jetzt etwa 12 Minuten Erfahrung seiner eigenen Grenzen. Runnings oder Mountain Climber. Liegestützposition, mit schwebenden Knien, zu pulsierenden, dominanten Bässen. Im Rhythmus. Eine Minute, am Ende des Tunnels dann 30 Sekunden “einfach” Halten. Danach gerade Zeit um aufzustehen und der ersten Schwungbewegung zu begegnen. Parallel Swing, beide Arme nach vorn, Oberkörper fallen lassen, ein sanfter Sprung, eher Schweben, wieder hoch, ein Squat folgt. Nach zwei Minuten, statisches Halten in aufrechter Position. Arme sind hoch gestreckt. “Storm” oder “Blitz”. Nur “halten”. 30 Sekunden Vibration und Blutrauschen.

Nächste Bewegung. Wie ein Jäger. Rotierender Schritt nach hinten und eine Armbewegung, als würde man einen Bogen mit Energie beschicken. Zurück und die Hände zum Boden. Touch Down. Zwischendurch trotzdem Atmen. Bis zur nächsten Haltebewegung. Und dem nächsten Schwung. Weiter. Bewegung und dann halten. Das nächste Wechselspiel der Energien. Yin und Yang. Weiter. Mehr davon.

Nach knapp 11 Minuten ist der deepWORK-Teil beendet. Schweiß fließt in Strömen. Sprechen ist noch nicht möglich. Mit ein wenig Geschick funktioniert aber das Trinken schnell wieder.

Die Uhr: Pfad zu Kraft, Bewegung und Mobilität

Was bei Yogis ihren Ursprung im Sonnengruß hat, findet sich beim bodyART in der Uhr, der bodyART-Clock. Ergänzt um sinnvolle Elemente, führt die Uhr vom Stand auf den Boden und wieder zurück. Sieben Positionen, die als Grundpositionen betrachtet werden. Basis von allem: Die Atmung. Natürliche Atmung. Atmung unterstützt Bewegung und Bewegung unterstützt Atmung.

Einatmen, Hände und Finger zusammen. Ausatmen in einen rund nach vorn gestreckten Oberkörper, Blick tief. Einatmen, aufrichten, ganz groß. Ausatmen, Fingerspitzen finden die Knöchel. Einatmen, Fingerspitzen finden die Außenseite der Knie. Ausatmen, Storm-Position. Einatmen, Storm-Position stärken. Ausatmen, tief, Hände an die Waden, Beine gerade, Full Stretch. Einatmen, Handflächen an die Schienbeine, Rücken lang, Gesäß betont nach hinten, Schulter zurück, Hals lang, Tisch. Ausatmen, zwei Hände tief. Einatmen, zwei Schritte zurück, Plank. Brett. Ausatmen, absenken in Bauchlage, Bein strecken, Füße Point. Einatmen, Ellenbogen zurück, Handflächen auf den Boden und nach vorn schieben, Oberkörper leicht anheben, kleine Kobra. Ausatmen, absenken. Einatmen, Gesäß anheben, Druck auf die Handflächen. Ausatmen, zurück in die Kindesposition, Child Position, Arme lang. Einatmen, in den Vierfüßler, Füße aufsetzen. Ausatmen, ins umgekehrte V. Gewicht auf die linke Seite, die rechte Hand geht zur rechten Wade und führt den rechten Fuß an die Stelle, an der die rechte Hand gerade noch ruhte. Linkes Knie absetzen, aufrichten, einatmen. Hände auf den Oberschenkel. Ausatmen, Knie anheben. Einatmen, Arme lang, rechts und links, nach oben. Ausatmen, Arme in Richtung Boden. Rechter Fuß zurück. Wieder im umgekehrten V. Gewicht auf die rechte Seite, die linke Hand geht zur linken Wade und führt den linken Fuß an die Stelle, an der die linke Hand gerade noch ruhte. Rechtes Knie absetzen, aufrichten, einatmen. Hände auf die Oberschenkel. Ausatmen, Knie anheben. Einatmen, Arme lang, rechts und links, nach oben. Ausatmen, Arme in Richtung Boden. Linker Fuß nach vorn. Hände an die Wade. Full Stretch. Hände auf die Oberschenkel. Einatmen, aufrichten.

Die Bewegungen: Funktional und unperfekt

Die Uhr beginnt und hört am Anfang wieder auf. Getragen von Atmung und Bewegung. Ein durchgehender Flow. Bis zu einer Position, an der eine Übung beginnt. Ein Liegestütz. Aber anders. Eine Hand jeweils etwas weiter vorn als die andere. Mit Atmen. Ein Crunch. Aber anders. Leichter Twist. Mit Atmen. Langsam. Anders. Nicht dieses Auf und Ab. Oder Vor und Zurück. Bewegung, Atmen und Spüren. Langsam. Bewusst. Halten, nachspüren. Zwei, drei lange Atemzüge.

Ein Ausfallschritt. Arme gestreckt hoch. Wie ein Krieger. Dann: Auf und Ab. Acht mal. Zehn mal. Langsam. Mit Atmen. Halten. Augen wieder zu. Drei lange Atemzüge. Zurück in das umgekehrte V, zurück in der Uhr. Weiter auf die andere Seite. Das Spiegelbild des Ausfallschritt.

Performance, Challenge. Spielen keine Rolle. Geschlossene Augen. Ausblenden des Nebenan. Ausblenden von rechts und links. Perfektes Spüren einer unperfekten Bewegung. Nach acht dieser Liegestütz geht es dem Muskel anders. Während die Körpermitte noch nicht mit den Crunches abgeschlossen hat.

Yin und Yang: In allem und aus Überall

Fallenlassen und Aufrichtung. Klein werden, Ausweiten. Langsam und mit Kraft, schnell und mit Schwung. Ein permanenter Wechsel. Yin und Yang. Der Übergang von einer Übung in die nächste macht aus einem Yin ein Yang und gibt dem folgenden Yin eine ganz eigene Bedeutung. Dazwischen und verbunden: Mensch und Bewegung. Geführt und zusammen gehalten durch Atmung und Wahrnehmung.

bodyART: In drei Sätzen?

Was ist denn jetzt bodyART?

bodyART muss man erleben. Man muss es spüren. Man kann es nicht erklären. Genau so wenig, wie sich einem Blinden Farben erklären lassen.

Eine bodyART-Stunde beginnt und offenbart die Möglichkeit, sich zu erfahren. Musik, in Rhythmus und Melodie, öffnet den Zugang zur Seele. Der Körper ist das Instrument, gespielt von Emotion und Atmung, wahrgenommen durch ein aktiviertes Bewusstsein.

bodyART besteht aus Atmung, Bewegung und bewusster Wahrnehmung. Yin und Yang sind der Motor, der Gegensätze verbindet und im permanenten Wechselspiel Bewegung zu einem großen Ganzen verschmelzen lässt.

Und was ist jetzt bodyART?

Es ist alles. Vollständig und allumfassend. Ein bewegender Ausflug ins Ich.

Versprochen.